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Fortbildung zur/zum ABC-Berater:in

Bindungstheoretisch fundierter Beratungsansatz für Fachkräfte in der Arbeit mit Pflegefamilien

Ansprechpartnerin

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Viola Rudat
Tel. 06207 605-120
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Was ist der Hintergrund unseres Projekts?

Mit der Unterbringung in Vollzeitpflege werden einem Kind in Form der Pflegeeltern neue feste Fürsorgepersonen angeboten, die potenziell zu neuen Bindungspersonen werden. Pflegefamilien bieten den Kindern die Chance, neue positive Beziehungserfahrungen zu sammeln, ein Gefühl von emotionaler Sicherheit zu entwickeln und einen sicheren und zuverlässigen Lebensort zu erfahren. Die Herausforderungen, denen Pflegeeltern bei der Aufnahme eines Pflegekindes begegnen, sind vielfältig und komplex. Sie haben die Aufgabe, das Pflegekind bei der Verarbeitung von Traumata, Trennung und Bindungsproblemen zu unterstützen und zu begleiten sowie die Integration in die Familie und die soziale Umgebung zu fördern.

In der Beratung und Begleitung von Pflegefamilien hat sich gezeigt, dass vor allem Beratungsansätze, die eine positive Bindungsentwicklung fördern, ein großer Zugewinn für alle Beteiligten sind und den Beziehungsaufbau sowie die Entwicklung einer sicheren Bindung unterstützen können. Das Beratungsangebot „Attachment and Biobehavioral Catch-up“ (ABC) der amerikanischen Bindungsforscherin Mary Dozier gilt als der am besten erprobte bindungsbasierte Ansatz für Pflegefamilien. Die positive Wirkung der Beratung zeigte sich in vielfältigen Bereichen, vor allem in der kindlichen Fähigkeit zum Aufbau positiver Bindungsbeziehungen sowie in den selbstregulativen Kompetenzen der Kinder. Darüber hinaus zeigten sich auch im Verhalten der Pflegeeltern positive Entwicklungen, insbesondere bei der Feinfühligkeit im Umgang mit dem Pflegekind und Verbesserung im familiären Miteinander.

Was ist das „Attachment and Biobehavioral Catch-up“(ABC)?

Das ABC-Programm ist ein bindungstheoretisch fundierter Beratungsansatz für Pflegefamilien mit Pflegekindern im Alter von 0 bis 48 Monaten. Die Beratung hat das Ziel, feinfühliges und fürsorgliches Verhalten von Pflegeeltern und dadurch die Entwicklung von sicheren Bindungsbeziehungen der Kinder zu fördern. Das Beratungsprogramm ist als aufsuchende Kurzzeitberatung angelegt, die insgesamt 10 Stunden in Form von einstündigen Hausbesuchen bei der Familie umfasst.

Die Beratung hat daher hauptsächlich folgende Ziele für (Pflege-) Eltern:

  • Lernen, kindliche Bindungssignale zu interpretieren, abweisende Bindungssignale zu reinterpretieren und entsprechende Fürsorge zu zeigen. 
  • Eigene Bindungserfahrungen zu reflektieren, eigenes Verhalten anzupassen und eine Sensibilisierung für die Bedürfnisse des Kindes zu entwickeln.
  • Das Kind dabei zu unterstützen, selbstregulierende Fähigkeiten zu entwickeln und eine emotional sichere und responsive Umgebung für das Kind zu schaffen
  • Das Kind im Aufbau von Selbstvertrauen Selbstwirksamkeit zu unterstützen

Ab ca. 2 Jahren, mit Eintritt in die erste Autonomiephase kann das Miteinander herausfordernder werden. Die ABC-Beratung für Kinder von 24 bis 48 Monaten („ABC Early Childhood“) gibt Eltern daher neben der Bearbeitung der oben genannten Themen auch Strategien an die Hand, das Autonomiebestreben des Kindes angemessen zu unterstützen, Machtkämpfe vermeiden und das Kind in schwierigen Situationen zu beruhigen. So kann das Kind Selbstregulation entwickeln und lernt langfristig mit negativen Gefühlen umzugehen und sich selbst zu regulieren. 
In den einzelnen Beratungsstunden werden zum einen die oben genannten Themen besprochen und erlernt zum anderen werden ergänzend dazu bindungstheoretische Hintergrundinformationen vermittelt, um die Inhalte einzuordnen. 
Darüber hinaus wird in jeder Stunde mit einer einzigartigen Kommentierungstechnik (In-the-moment-Kommentierung) gearbeitet, die auf die oben genannten Themen aufbaut und das Gelernte im Alltag direkt anwendbar macht. Die Kommentierungstechnik hebt gezielt, mit mindestens einem Kommentar pro Minute, wertschätzend das positive Elternverhalten hervor und bietet in schwierigen Situationen auch Handlungsmöglichkeiten an. Am Ende der 10 Hausbesuche haben die Eltern ca. 600 positive Kommentare als Rückmeldung erhalten. 
Die Forschung von Mary Dozier zeigt, dass diese Form der Kommentierung ausschlaggebend für die Wirkung ist. Die Beratung ist videogestützt, so dass Videosequenzen zusammen angeschaut werden, um gelungene Situationen zu würdigen und dazu passende Inhalte nochmals zu veranschaulichen.

Wie sieht die Fortbildung zur ABC-Beraterin /zum ABC-Berater aus?

Im Rahmen des Modellprojektes ist die Fortbildung kostenlos. Die Fortbildung umfasst eine 4-tägige Schulung, die in Präsenz am Odenwald-Institut stattfindet. Bei der Schulung werden theoretische und praktische Inhalte, die für die Durchführung des ABC-Kurzzeitberatungsprogramms notwendig sind, vermittelt. Dies beinhaltet u.a. die ABC-Ziele, die In-the-Moment-Kommentierungstechnik sowie wichtige bindungstheoretische Hintergrundinformationen. 

Zudem werden Details zur Umsetzung der Hausbesuche bei den Familien besprochen und der Ablauf der darauffolgenden einjährigen Phase der Praxisbegleitung geplant. Im Rahmen dieser Phase von den Teilnehmenden das Beratungsprogramm mit mindestens drei Pflegefamilien durchführt. Dies wird durch wöchentliche Reflexionstermine, die in Form einer Videokonferenz durchgeführt werden, begleitet. 

Die Praxisbegleitung beinhaltet klinische Reflexionsgespräche im Gruppensetting mit 2-3 Personen sowie eine Einzelsitzung, in der die Kommentierungstechnik trainiert und reflektiert wird. Nach Überprüfung der Qualität der Beratung werden die Schulungsteilnehmerinnen und -teilnehmer als ABC-Berater:in zertifiziert. Die Zertifizierung gilt zunächst für zwei Jahre und wird bei Ablauf durch die Bearbeitung eines kurzen Tests im Online-Format aufgefrischt.

Voraussetzungen

  • Um an der Fortbildung teilzunehmen, sollten Grundkenntnisse über die Bindungsentwicklung von Kindern vorliegen sowie die Bereitschaft und Möglichkeit zu wöchentlichen Hausbesuchen bei den Pflegefamilien bestehen.
  • Durch eine Mitarbeiterin / einen Mitarbeiter des Odenwald-Instituts findet ein kurzes Auswahlgespräch per Videokonferenz statt, welches über die Zulassung zur Fortbildung entscheidet.
  • Die Fortbildung kann für den Jahrgang Dezember 2026 komplett auf Deutsch angeboten werden. 

Kosten und Verpflichtungen

Im Rahmen des Modellprojektes werden für die Berater:innen die Kosten für die Schulung übernommen. Zudem werden auch Trainingsmaterial sowie für die Praxisphase von einem Jahr, die technische Ausstattung (Notebook, Kamera, Stativ) von der Karl-Kübel-Stiftung zur Verfügung gestellt. Die Berater:innen erklären sich darüber hinaus bereit, nach Abschluss der Praxisphase mit einer weiteren Pflegefamilie das Programm durchzuführen und abzuschließen sowie an Einzelinterviews zu ihren Erfahrungen teilzunehmen.

Ü/V-Kosten für den Präsenztermin

  • € 371,50 im Einzelzimmer bei Anreise am Montag
  • € 460,00 im Einzelzimmer bei Frühanreise am Sonntag

Wie sieht die wissenschaftliche Begleitung des Projekts aus?

Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts wird durch ein Forschungsteam am Deutschen Jugendinstitut durchgeführt (Dr. Janin Zimmermann, Dr. Ina Bovenschen und Prof. Dr. Heinz Kindler). Ziel der wissenschaftlichen Begleitung ist es, die Umsetzbarkeit der Beratung in den Regelstrukturen zu untersuchen und die Wirksamkeit der Beratung zu überprüfen.

Im Rahmen einer fallbezogenen Evaluation soll untersucht werden, welche Merkmale die Wirksamkeit der Beratung fördern oder behindern. In die Analysen werden Vorerfahrungen des Kindes und kindliche Merkmale (z.B. Alter) sowie Faktoren auf Seiten der Familien einbezogen.

Darüber hinaus ist die Durchführung von Einzelinterviews mit den ausgebildeten Berater:innen sowie von Fokusgruppen mit Leitungskräften der Jugendämter geplant. In den Einzelinterviews mit den Berater:innen geht es um die Beschreibung der konkreten Erfahrungen der Berater:innen sowie die Identifizierung von förderlichen Faktoren und Hindernissen im Beratungsprozess. Im Mittelpunkt der Gruppendiskussionen stehen förderliche Faktoren und Hindernisse bei der Umsetzung in den Regelstrukturen der Kinder- und Jugendhilfe.

Nach Abschluss der Praxisphase sollen von jeder Beraterin / jedem Berater eine Beratung mit einer weiteren Pflegefamilie durchgeführt werden, d.h. insgesamt sollen von jeder Beraterin / jedem Berater vier Pflegefamilien beraten werden. Dies ist keine Notwendigkeit für den Erhalt des Zertifikats, aber ausschlaggebend, um die wissenschaftliche Begleitung erfolgreich durchführen zu können.

Auf einen Blick

Das bieten wir:

  • Kostenlose Fortbildung zur Durchführung eines innovativen Programms zum Aufbau von Bindungsbeziehungen
    (Übernachtungs – und Verpflegungskosten sind nicht inklusive)
  • Bereitstellung der technisch notwendigen Geräte (Laptop, Actioncam, Spielzeugtasche, Zubehör) während der Modellphase für den Fortbildungszeitraum von einem Jahr
  • Enge Praxisbegleitung bis zur Zertifizierung
  • Teilnahme an einer wissenschaftlichen Evaluation eines innovativen Programms zur Förderung von positiven Bindungsbeziehungen in Pflegefamilien
  • Offizielles Zertifikat und die Berechtigung, das Kurzzeitprogramm nach der Zertifizierung eigenständig durchzuführen

Voraussetzungen:

  • Zugang zu Pflegefamilien, um 3 Fälle während der Praxisphase durchzuführen
  • Ausbildung oder Tätigkeit in pädagogischen oder angrenzenden Bereichen (z.B. Sozialpädagogen, Hebammen, ...)
  • Grundkenntnisse über die Bindungsentwicklung von Kindern

Termine 2026

  • Nächste digitale Infoveranstaltung für Interessierte an der Fortbildung: 06.05.2026, 11 Uhr
  • Start der Fortbildung und Präsenzschulung: 07.- 10.12.2026 im Odenwald-Institut

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