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Fortbildung zur ABC-Berater:in

Bindungstheoretisch fundierter Beratungsansatz für Fachkräfte in der Arbeit mit Pflegefamilien

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Was ist der Hintergrund unseres Projekts?

Mit der Unterbringung in Vollzeitpflege werden einem Kind in Form der Pflegeeltern somit – oft für einen mehrjährigen Zeitraum - neue feste Fürsorgepersonen angeboten, die potenziell zu neuen Bindungspersonen werden. Pflegefamilien bieten den Kindern somit die Chance, neue positive Beziehungserfahrungen zu machen, ein Gefühl von emotionaler Sicherheit zu entwickeln und einen sicheren und zuverlässigen Lebensort zu erfahren. Die Herausforderungen, denen Pflegeeltern bei der Aufnahme eines Pflegekindes begegnen, sind jedoch vielfältiger und komplexer, als dies in anderen Familien der Fall ist. Sie haben beispielsweise die Aufgabe, dem Pflegekind bei der Verarbeitung von Trennung und Bindungsproblemen zu helfen und die Integration des Pflegekindes in die Familie und die soziale Umgebung zu fördern. Die Anforderungen an die Pflegefamilien werden durch den „Ballast“, den Pflegekinder aufgrund ihrer Vorerfahrungen mitbringen, und durch den daraus resultierenden besonderen pädagogischen und therapeutischen Bedarf zusätzlich erhöht.

In der Beratung und Begleitung von Familien hat sich gezeigt, dass insbesondere Beratungsansätze, die auf eine Förderung einer positiven Bindungsentwicklung abzielen, die Pflegefamilien im Beziehungsaufbau und dem Aufbau sicherer Bindungsbeziehungen unterstützen können. Das Beratungsangebot „Attachment and Biobehavioral Catch-up“ (ABC) der amerikanischen Bindungsforscherin Mary Dozier gilt als der am besten erprobte bindungsbasierte Ansatz für Pflegefamilien. Die positive Wirkung der Beratung zeigte sich in vielfältigen Bereichen, vor allem in der kindlichen Fähigkeit zum Aufbau positiver Bindungsbeziehungen sowie in den selbstregulativen Kompetenzen der Kinder. Darüber hinaus zeigten sich auch im Verhalten, d.h. der Feinfühligkeit der Pflegeeltern im Umgang mit dem Pflegekind, und in der Wahrnehmung der Pflegeeltern bedeutsame positive Veränderungen durch die Beratung.

Was ist das „Attachment and Biobehavioral Catch-up“(ABC)?

Das ABC-Programm ist ein bindungstheoretisch fundierter Beratungsansatz für Pflegefamilien mit Pflegekindern im Alter von 6 bis 48 Monaten. Die Beratung hat das Ziel, feinfühliges und fürsorgliches Verhalten von Pflegeeltern und dadurch die Entwicklung von sicheren Bindungsbeziehungen der Kinder zu fördern. Das Beratungsprogramm ist als aufsuchende Kurzzeitberatung angelegt, die insgesamt 10 Stunden in Form von einstündigen Hausbesuchen bei der Familie umfasst.

Das ABC-Programm basiert auf der Beobachtung, dass sich Pflegekinder in Beziehungen häufig anders als andere Kinder verhalten und dadurch den Beziehungsaufbau erschweren.

Die Beratung hat daher hauptsächlich drei Ziele:

  • Pflegeeltern sollen lernen, abweisende kindliche Signale zu reinterpretieren. Sie sollen lernen, dem Kind auch dann Fürsorge zu geben, wenn es den Anschein macht, diese Fürsorge nicht zu brauchen.
  • Pflegeeltern sollen lernen, ihre eigenen Bindungserfahrungen und ihre Schwierigkeiten, feinfühlig auf das Kind einzugehen, zu reflektieren.
  • Pflegeeltern sollen das Pflegekind dabei unterstützen, selbstregulierende Fähigkeiten zu entwickeln, indem sie eine vorhersagbare und responsive, d.h. auf die Bedürfnisse des Kindes ausgerichtete Umgebung, schaffen.

Mit zunehmendem Alter zeigen einige Pflegekinder aggressives und extrem trotziges Verhalten, was für Eltern eine enorme Herausforderung darstellen kann. Die ABC Beratung für Kinder von 24 bis 48 Monaten („ABC Early Childhood“) gibt Eltern daher neben der Bearbeitung der oben genannten Themen auch Strategien an die Hand, wie sie ihrem Kind in schwierigen Situationen helfen können, sich wieder zu beruhigen (indem sie z.B. weiterhin für das Kind verfügbar sind, feinfühlig bleiben und Machtkämpfe vermeiden). Solch ein feinfühliges und unterstützendes Verhalten der Bezugsperson in schwierigen Situationen hilft Kindern dabei, langfristig selbst negative Gefühle besser regulieren zu können.

Umgesetzt werden die Ziele der Beratung im Rahmen von zehn Hausbesuchen, von denen jeweils zwei aufeinanderfolgende Stunden das gleiche Thema als Schwerpunkt behandeln. Die Inhalte sind in einem Manual ausführlich beschrieben. Es geht dabei darum, die Pflegeeltern zu feinfühligem Verhalten zu ermutigen, wenn die Kinder gestresst sind, indem die Pflegeeltern unklares Signalverhalten der Kinder reinterpretieren (Stunden 1 und 2) bzw. eigene Schwierigkeiten und Themen, die fürsorglichem Verhalten im Weg stehen, überwinden (Stunde 7 und 8). Die Pflegeeltern werden dabei unterstützt, den Kindern eine feinfühlige und responsive Umwelt zu geben, indem sie in Spielsituationen synchron mit dem Kind interagieren und sich mit ihm freuen (Stunden 3 und 4) und sich den Kindern nicht beängstigend gegenüber verhalten (Stunden 5 und 6).

Abgesehen von den spezifischen Themen der einzelnen Stunden werden in der Beratung stundenübergreifend verschiedene Techniken verwendet, die die Erreichung der Beratungsziele unterstützen. So finden in einem Teil der Stunden strukturierte Spielsituationen (z.B. Spielen mit Handpuppen) statt, die der Bezugsperson ermöglichen, bestimmte Fertigkeiten einzuüben. Durch konstruktives Feedback werden diese Spielsituationen durch die Beraterin / den Berater begleitet. Ergänzend wird zudem in allen Stunden videogestützt gearbeitet, indem gemeinsam Videosequenzen unmittelbar aus der Stunde selber oder aus vorhergehenden Stunden angesehen und diskutiert werden. Das Videofeedback wird dabei dazu verwendet, die Stärken der Bezugsperson hervorzuheben. Gleichzeitig sollen auch vorsichtig Schwierigkeiten der Bezugsperson thematisiert und Veränderungen im kindlichen und elterlichen Verhalten gewürdigt werden. Schließlich erhält die Bezugsperson am Ende jeder Stunde Hausaufgaben. Diese Aufgaben beziehen sich auf das Thema der jeweiligen Stunde und dienen dazu, die besprochenen Verhaltensweisen einzuüben und das eigene Verhalten sowie das Verhalten des Kindes zu beobachten und zu dokumentieren.

Wie sieht die Fortbildung zur ABC-Beraterin /zum ABC-Berater aus?

Die Fortbildung der Berater:innen umfasst eine 4-tägige Schulung, die in Präsenz am Odenwald-Institut stattfindet. Bei der Schulung werden theoretische und praktische Inhalte, die für die Durchführung des ABC-Kurzzeitberatungsprogramms notwendig sind, vermittelt. Dies beinhaltet u.a. die ABC-Ziele, die In-the-Moment-Kommentierungstechnik sowie wichtige bindungstheoretische Hintergrundinformationen. 

Zudem werden Details zur Umsetzung der Hausbesuche bei den Familien besprochen und der Ablauf der darauffolgenden einjährigen Phase der Praxisbegleitung geplant. Im Rahmen dieser Phase wird von jeder Beraterin / jedem Berater das Beratungsprogramm mit mindestens drei Pflegefamilien durchführt. Dies wird durch wöchentliche Reflexionstermine, die in Form einer Videokonferenz durchgeführt werden, begleitet. 

Die Praxisbegleitung beinhaltet klinische Reflexionsgespräche im Gruppensetting mit 2-3 Personen sowie eine Einzelsitzung, in der die Kommentierungstechnik trainiert und reflektiert wird. Nach Überprüfung der Qualität der Beratung werden die Schulungsteilnehmerinnen und -teilnehmer als ABC-Berater:in zertifiziert. Die Zertifizierung gilt zunächst für zwei Jahre und wird bei Ablauf durch die Bearbeitung eines kurzen Tests im Online-Format aufgefrischt.

Voraussetzungen

Um an der Fortbildung teilzunehmen, sollten Grundkenntnisse über die Bindungsentwicklung von Kindern vorliegen sowie die Bereitschaft und Möglichkeit zu wöchentlichen Hausbesuchen bei den Pflegefamilien bestehen.

Durch eine Mitarbeiterin / einen Mitarbeiter des Odenwald-Instituts findet ein kurzes Auswahlgespräch per Videokonferenz statt, welches über die Zulassung zur Fortbildung entscheidet.

Sowohl das 4-tägige Eingangstraining, als auch die klinischen Reflexionsgespräche werden teilweise in englischer Sprache durchgeführt. Die Einzelstunden zur Verbesserung der Kommentierungstechnik finden in deutscher Sprache statt. Die Teilnahme setzt bei den Beratern und Beraterinnen also grundlegende Englischkenntnisse voraus.

Kosten und Verpflichtungen

Im Rahmen des Modellprojektes werden für die Berater:innen die Kosten für die Schulung übernommen. Zudem werden auch Trainingsmaterial sowie für die Praxisphase von einem Jahr, die technische Ausstattung (Notebook, Kamera, Stativ) von der Karl-Kübel-Stiftung zur Verfügung gestellt. Die Berater:innen erklären sich darüber hinaus bereit, nach Abschluss der Praxisphase mit einer weiteren Pflegefamilie das Programm durchzuführen und abzuschließen sowie an Einzelinterviews zu ihren Erfahrungen teilzunehmen.

Ü/V-Kosten für den Präsenztermin

  • € 321,50 im Einzelzimmer bei Anreise am Montag
  • € 410,00 im Einzelzimmer bei Frühanreise am Sonntag

Wie sieht die wissenschaftliche Begleitung des Projekts aus?

Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts wird durch ein Forschungsteam am Deutschen Jugendinstitut durchgeführt (Dr. Janin Zimmermann, Dr. Ina Bovenschen und Prof. Dr. Heinz Kindler). Ziel der wissenschaftlichen Begleitung ist es, die Umsetzbarkeit der Beratung in den Regelstrukturen zu untersuchen und die Wirksamkeit der Beratung zu überprüfen.

Im Rahmen einer fallbezogenen Evaluation soll untersucht werden, welche Merkmale die Wirksamkeit der Beratung fördern oder behindern. In die Analysen werden Vorerfahrungen des Kindes und kindliche Merkmale (z.B. Alter) sowie Faktoren auf Seiten der Familien einbezogen.

Darüber hinaus ist die Durchführung von Einzelinterviews mit den ausgebildeten Berater:innen sowie von Fokusgruppen mit Leitungskräften der Jugendämter geplant. In den Einzelinterviews mit den Berater:innen geht es um die Beschreibung der konkreten Erfahrungen der Berater:innen sowie die Identifizierung von förderlichen Faktoren und Hindernissen im Beratungsprozess. Im Mittelpunkt der Gruppendiskussionen stehen förderliche Faktoren und Hindernisse bei der Umsetzung in den Regelstrukturen der Kinder- und Jugendhilfe.

Nach Abschluss der Praxisphase sollen von jeder Beraterin / jedem Berater eine Beratung mit einer weiteren Pflegefamilie durchgeführt werden, d.h. insgesamt sollen von jeder Beraterin / jedem Berater vier Pflegefamilien beraten werden. Dies ist keine Notwendigkeit für den Erhalt des Zertifikats, aber ausschlaggebend, um die wissenschaftliche Begleitung erfolgreich durchführen zu können.

Auf einen Blick

Das bieten wir:

  • Kostenlose Fortbildung zur Durchführung eines innovativen Programms zum Aufbau von Bindungsbeziehungen
    (Übernachtungs – und Verpflegungskosten sind nicht inklusive)
  • Bereitstellung der technisch notwendigen Geräte ( Laptop, Actioncam, Spielzeugtasche, Zubehör) während der Modellphase für den Fortbildungszeitraum von einem Jahr
  • Enge Praxisbegleitung bis zur Zertifizierung
  • Teilnahme an einer wissenschaftlichen Evaluation eines innovativen Programms zur Förderung von positiven Bindungsbeziehungen in Pflegefamilien
  • Offizielles Zertifikat und die Berechtigung, das Kurzzeitprogramm nach der Zertifizierung eigenständig durchzuführen

Voraussetzungen:

  • Zugang zu Pflegefamilien, um 3 Fälle während der Praxisphase durchzuführen
  • Ausbildung oder Tätigkeit in pädagogischen oder angrenzenden Bereichen (z.B. Sozialpädagogen, Hebammen,..)
  • Grundkenntnisse über die Bindungsentwicklung von Kindern

Termin 2026

07.- 10.12.2026 im Odenwald-Institut

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