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Mehrere farbige Handabdrücke an einer Felswand verweisen auf gemeinsames Handeln und menschliche Spuren.
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Dr. Sina Klein
+49 (0)6207 605-127
s.klein(at)odenwaldinstitut.de

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ – Artikel 1 des Grundgesetzes formuliert damit einen zentralen Grundsatz unserer Verfassung. Menschenwürde gilt für jeden Menschen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sozialem Status, Ethnie, Religion, Weltanschauung, sexueller Identität oder anderen persönlichen Merkmalen. Jeder Mensch ist einzigartig und wertvoll – unabhängig von Leistung, Erfolg oder gesellschaftlicher Anerkennung. Diesem Menschsein gilt es mit Achtung und Respekt zu begegnen. 

Doch woran erkennen wir, ob Würde geachtet oder verletzt wird? Und welche Rolle spielt dabei die Scham? Scham ist eine intensive und oft schmerzhafte Emotion, die zum Menschsein gehört. Sie berührt zentrale Bedürfnisse:

  • Anerkennung: gesehen und angenommen werden
  • Schutz: persönliche und individuelle Grenzen wahren
  • Zugehörigkeit: Teil einer Gemeinschaft sein
  • Identität: eigene Werte und Normen bewahren

Schamvolle Gefühle können neben all den anderen Gefühlen in vielen Lebens- und Arbeitsbereichen eine wichtige Rolle spielen, insbesondere dort, wo Menschen mit Verletzlichkeit, Abhängigkeit oder persönlichen Grenzen konfrontiert sind. Zum Beispiel:

  • In Erziehung und Schule: wenn ein Kind oder Jugendlicher sich für ein Scheitern, eine schlechte Leistung oder eine persönliche Eigenschaft schämt.
  • In der Alten- und Hospizarbeit: bei der Pflege intimer Körperregionen oder wenn schambesetzte Erfahrungen und Erinnerungen wieder lebendig werden.
  • In der Sozialen Arbeit: wenn Menschen sich aufgrund von Arbeitslosigkeit, Armut, Einsamkeit oder ihrer Lebenssituation schämen.
  • In psychologischer Beratung und Therapie: wenn Klient*innen sich für psychische Belastungen oder traumatische Erfahrungen schämen oder die Verantwortung für erlebten Missbrauch bei sich selbst suchen.

Weil Schamgefühle häufig schwer auszuhalten sind, werden sie nicht selten abgewehrt. Dies kann sich beispielsweise in Trotz, Wut, Abwertung, Widerstand, Rückzug oder depressiven Gefühlen zeigen. Hinter einem scheinbar schwierigen oder ablehnenden Verhalten kann sich daher oftmals ein tiefes Schamgefühl verbergen.

Wer professionell mit Menschen arbeitet, berührt verletzliche Lebensbereiche. Dabei können auch eigene Schamerfahrungen aktiviert werden. Die Fortbildung sensibilisiert für diese Zusammenhänge und vermittelt einen achtsamen, wertschätzenden und konstruktiven Umgang mit Scham.

Scham ist nicht nur schmerzhaft. Sie kann Grenzen wahrnehmbar machen, auf Verletzungen hinweisen und helfen, die eigene Würde und die Würde anderer zu schützen. Der Psychoanalytiker Leon Wurmser bezeichnet Scham deshalb als „Hüterin der menschlichen Würde“.

Ein bewusster Umgang mit Scham kann helfen, Menschen in ihrer Würde und Selbstachtung zu stärken. Dazu gehört, ihnen zu ermöglichen, sich zu zeigen und angenommen zu werden, Schutz und Sicherheit zu erfahren, sich zugehörig zu fühlen, eigene Grenzen wahrzunehmen und zu achten sowie sich selbst treu zu bleiben.

Inhalt

Die Fortbildung vermittelt Grundlagen aus Psychologie, Sozialpsychologie und Gehirnforschung und betrachtet individuelle, zwischenmenschliche und gesellschaftliche Zusammenhänge. Im Mittelpunkt stehen unter anderem folgende Fragen:

  • Was ist Scham und wie zeigt sie sich?
  • Wodurch wird Scham ausgelöst?
  • Wie unterscheiden sich Scham und Schuld?
  • Was bedeutet Schamabwehr und wie kann sie sich zeigen?
  • Welche Entwicklungsimpulse liegen in der Scham?
  • Welche Bedeutung hat Scham für die Regulierung und den Schutz der menschlichen Würde?
  • Wie können wir uns selbst und andere vor überflüssiger oder verletzender Scham schützen?
  • Welche Bedeutung haben Schamgefühle für Gruppen, Organisationen und unsere Gesellschaft?
  • Wie gelingt ein wertschätzender und würdevoller Umgang mit Scham im beruflichen Kontext?

Die Teilnehmenden erhalten Einblicke in die Psychodynamik von Scham und lernen, Schamgefühle hinter scheinbar anderem Verhalten wahrzunehmen und besser zu verstehen. Ziel ist ein bewusster und konstruktiver Umgang mit Scham – im professionellen Handeln und persönlichen Erleben. Scham kann dabei als Hinweis auf Bedürfnisse, Grenzen und die Würde des Menschenverstanden werden.

Zielgruppe

Die Fortbildung richtet sich an alle, die beruflich mit Menschen arbeiten, insbesondere Lehrkräfte, Führungskräfte, Mitarbeitende von Behörden, Strafvollzug und Polizei, Hospiz-Mitarbeitende, Organisationsentwickelnde, Sozialarbeitende, Richter*innen, Supervisor*innen, Seelsorgende, Psychotherapeut*innen, Mediator*innen sowie weitere helfende, medizinische, pflegende, heilende, beratende und pädagogische Berufe.

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