In Memorium an Ulla Wolter

Ulla Wolter_Odenwald-Institut

*24.05.1921        +10.05.2020

Wir trauern um eine Kursleiterin, die schon in den ersten Jahren des Odenwald-Instituts und insgesamt über 25 Jahre Kurse auf der Grundlage der Themenzentrierten-Interaktion (TZI) leitete. „Umgang mit Krisensituationen“ war ihr Kernthema. Eine frühere Teilnehmerin schreibt: „Ich verdanke Ulla...wichtige Entscheidungen für meinen beruflichen und auch privaten Weg. Ulla habe ich als sehr kompetent erlebt, sowohl in der einfühlsamen Begleitung als auch in der Herausforderung und im Kräfte­messen“.

Ihre Beratung und Mitarbeit bei der Gestaltung des Institutsprogramms war geschätzt. In den 1990er Jahren war sie drei Jahre Mitglied des Stiftungsrats der Karl Kübel Stiftung.

Drei Standorte prägten ihr Leben:

Geboren in Berlin erlebt sie den Aufstieg des Nationalsozialismus. Später teilt sie häufig ihre Erfahrungen als „Zeitzeuge“, u.a. in Schulen und in kirchlichen Institutionen.

Gegen Kriegsende flieht sie, schwanger mit ihrem ersten Kind, aus den Trümmern Berlins nach Coburg. Dort in den Nachkriegsjahren erlebt sie mit ihrem Mann, Dr. med. Klaus Wolter, die steigende Bedeutung der Psychotherapie in seiner Arztpraxis;  Sie absolviert Weiterbildungen und erlebt die ersten Jahre der Lindauer-Psychotherapiewochen.

1967 stirbt ihr Mann plötzlich und unerwartet. Kurz danach entscheidet sie, mit ihren drei Kindern, die jüngste mehrfach behindert, nach Heidelberg zu ziehen. Dort kann sie ihre Heilpraktiker-Ausbildung abschließen und eine psychotherapeutische Praxis eröffnen.  Vom Ruth Cohn Institute wird sie anerkannte Ausbilderin für TZI; später wird sie die TZI-Supervisionsausbildungsgruppe mitbegründen.

Im hohen Alter erkrankt sie. Ihre Tochter Beate holt sie 2014 in ihre Gegend nach Flensburg. Dort schafft sie es, wie bezeichnend für ihr Leben, die Umgebung zu erforschen und Interessen zu folgen.

Am Muttertag 2020 ist sie gestorben. Ihre Urne, bewacht von großen Bäumen, liegt auf dem kleinen Friedhof der Kirche zu Adelby in Flensburg.

Im Andenken von Mary Anne Kübel,
Mai 2020

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